Archiv für Januar 2010

Überflüssige [und die] Kulturhauptstadt

Die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 ist eröffnet und wird mit ihrer Überflüssigkeit konfrontiert. Neben den geladenen Gästen schafften es auch die Überflüssigen auf den schwarzen Teppich: „Wir sind die Überflüssigen und feiern heute die Eröffnung der Kulturhauptstadt auf unsere Weise. Wir protestieren hier im 5. Jahr von Hartz IV gegen die unwürdigen Lebens- und Arbeitsverhältnisse in diesem reichen Land. Den ‚Ehrengästen‘ aus Politik und Wirtschaft rufen wir zu: Ihr seid hier überflüssig!“ quelle: indymedia

Der Protest der „Überflüssigen“ hätte einfach eine theatrale Form demokratischer Öffentlichkeit darstellen können. Schließlich lautet das offizielle Motto der Ruhr.2010 „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“. Doch so viel Beteiligung war den Verantwortlichen offensichtlich zu viel. Als die Aktion schon längst beendet war, marschierte eine Essener Polizeihundertschaft auf und nahm neun Anwesende in Gewahrsam: mehr info

noch mehr infos und massenkompatible blogs rund um das spektakel 2010 werden auf einer neuen website gesammelt: http://www.zwanzig10.de/

Der Ruhrpott am Vorabend des Spektakels

Am Wochenende des 9 // 10 Januar 2010 ist es nun soweit: „Die Stunde der Wahrheit naht“, sagt Fritz Pleitgen, Vorsitzender der Geschäftsführung von RUHR.2010. Gemeinsam mit dem Ruhr Museum wird am Wochenende die große Eröffnung der Kulturhauptstadt Ruhr gefeiert auf dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen. Bis zu 100.000 besucher_innen werden erwartet, darunter so illustre Gäste wie der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso. 1738 künstler_innen, 300 Projekte, 2500 Veranstaltungen, 500 journalist_innen sowie 500 ehrenamtliche helfer_innen sind offiziell dabei.

Seit Monaten werden Hoffnung, Mut & local heroes propagiert und über die Massenmedien auf den Volkskörper projiziert. Kritik an der Kulturhauptstadt formiert sich bislang nur mäßig. Zu undankbar – bis hin zu zynisch – scheint eine politische Auseinandersetzung mit dem kulturalisierten Spektakel und der herrschenden Stadtpolitik. Die AG K2010 ruft zu kreativen Interventionen auf!
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