Archiv für April 2010

Heraus zum 1. Mai 2010

Am Sonnabend ist es wieder soweit: Heraus zum 1. Mai 2o1o. Neben zahlreichen DGB veranstaltungen --ruhrpottweit-- gibt es traditionell einen autonomen Aufruf aus Wtal: „Im 24. Jahr organisieren wir in Wuppertal eine autonome 1.Mai Demo und ein selbstorganisiertes Straßenfest auf dem Schusterplatz. Wir wollen eine Politik entwickeln, die – nicht nur – am 1. Mai die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen zum Thema macht. Die andere wichtige Tradition, auf die wir uns beziehen, ist der 1. Mai als internationaler Kamptag, an dem weltweit Menschen gegen Herrschaft und Ausbeutung auf die Straßen gehen“ http://www.az-wuppertal.de/aktuelles/

Zeitgleich gibt es in Dortmund die erstausgabe einer Euromayday Parade aus dem Ruhrpott, mit 3 Lautsprechwagen, DJs, Bands und Strassenfest (18 – 22 uhr) auf dem Nordmarkt. Die sozialrevolutionäre Kampagne „Für Deutschland keinen Finger krumm!“ ruft zum antikapitalistischen und arbeitskritischen bunten und weltoffenen Block beim Euromayday auf: „Die Kampagne möchte dort intervenieren wo es Risse in der Fassade der kapitalistischen Warenproduktion gibt. Ziel ist es die Widersprüche aufzuzeigen in denen sich lohnabhängige Menschen befinden, etwa die Hoffnung auf Besserung der eigenen Lage durch einen Staat, der durch seine Politik gerade die Verhältnisse aufrecht erhält, die Lohnabhängige tagtäglich schädigen. Der bunte Block beim Euromayday soll eine dieser Interventionen sein“ aid.blogsport.de
ruhr euromayday 2010

bike or die

In unserer kategorie *wofür öffentlicher raum so alles gut ist* und wieviel spass mensch hier haben kann, gibt’s zwischendurch das kunststück von Danny MacAskill und seinem Fahrrad auf den strassen, plätzen, brücken, dächern von Edinburgh // UK. Vertont ist das ganze mit der grossartigen Band of Horses und ihrer hymnischen botschaft: at any occasion i‘ll be ready for the funeral.

Der letzte Schrei

Wuppertal wehrt sich und mobilisiert für den „letzten Schrei“ nach Düsseldorf. Am 18.04.2010 // 12 – 20.oo Uhr sind Audio- und Videoprojektionen vor dem Landtag geplant und alle Menschen aufgerufen, mit kreativen Aktionsformen ihrer städtischen Situation Ausdruck zu verleihen.

Auf der website heisst es: „Die Städte stehen mit beiden Beinen im Schuldenturm. Kommunale Selbstverwaltung? Eine romantische Erinnerung aus dem Grundgesetz. Die Kämmerer treiben die Städte mit ihrem autoaggressiven Verhalten zur Selbstverstümmelung. Diese Art Piercing ist Rheinauf & –ab DER LETZTE SCHREI… Was ist der „DER LETZTE SCHREI“ in Hagen, Oberhausen, Mülheim Ruhr, Köln, Essen, Bochum, Wuppertal, Leverkusen, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen?

dortmund: findet kreativität stadt?

In Dortmund wird geklotzt und nicht gekleckert. Während andere Städte nur episodisch in die städtebauliche Trickkiste greifen, hat die Sache hier System und sind Großprojekte in Dortmund schon seit längerer Zeit an der Tagesordnung. Neben Stadion, Phoenix See, RWE Tower und anderen Leuchtturmprojekten des dortmund-project.de hat die Stadtspitze auch mit dem Dortmunder U grosses vor. Dem Strukturwandel verpflichtet, wird im Zentrum der Stadt die alte Unions-Brauerei zum internationalen Kreativzentrum ausgebaut und soll (eigentlich) Ende Mai eröffnet werden.


kreativwirtschaft-dortmund.de

Was dieser Bau für die Stadt bedeutet, war nun Thema im neu eröffneten FZW: „Wozu brauchen wir Kreativwirtschaft“, so der Titel beim Dortmunder Dialog. Den Auftakt machte Ex-Viva Chef und neuer Kreativdirektor für Ruhr.2010, Dieter Gorny. Mit blumigen Worten erteilt er wohlfahrtsstaatlichen Modellen der Kulturförderung in der Zukunft eine Absage und appelliert dafür, Kultur und Wirtschaft zusammen zu denken. Zentraler Knackpunkt ist hierbei: „Wie lässt sich Kreativität organisieren? Lässt sie sich organisieren? Oder ersticke ich sie damit?“ (Gorny, 11.03.2010)

Während Gorny die ökonomische Verwertungslogik antippt, letztlich aber umschifft, war Udo Mager von der Wirtschaftsförderung Dortmund deutlicher. Mager zitiert Richard Florida’s „creative class“ (2002) und Joseph Schumpeter’s „kreative Zerstörung“ (1912), die er als grosse Leistung dieser Wirtschaftsordnung sieht und begibt sich auf die Suche nach der kreativen Klasse. Auf der website der Wirtschaftsförderung kann sich jedeR nach eigenem Ermessen als kreativeR eintragen. Für alle die, die der Metropole Ruhr.2010 ihren kreativen Zauber nicht abkaufen (mehr…)

was ist Land for Free?

Zugunsten der Unverwechselbarkeit dieses blogs, soll hier noch einmal klar unterschieden werden zwischen Anlass und Ursache von *Land for Free*. Den Anlass bildet eine künstlerische Bewerbung zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 aus dem Jahr 2006 (Stefanie Bremer, Dirk E. Haas, Boris Sieverts). Die Ursache ist der ganz normale Wahnsinn, der sich für Still- und Leerstand in der Stadtentwicklung verantwortlich zeichnet. Was Land for Free war // ist // sein kann – LAND FOR WHAT – sollen folgende Punkte noch einmal herausstellen.

*ein kunstprojekt*
Land for Free als Stichwort für die Brachen- und Stadtentwicklung im Ruhrgebiet zwingt sich zwar fast auf, geht aber auf ein urbanes Experiment (2006) des Büros für Städtereisen, Orange Edge und REFLEX architects_urbanists AKNW SRL anlässlich der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 zurück, die auch folgendes video gemacht haben (Sieverts et al. 2006, 17.17 min).

*eine veranstaltung*
In der Veranstaltung am 23/ 24.1o.2o09 // AZ Mülheim ging es darum, eines der vormals künstlerischen Leitprojekte der Bewerbung zur Kulturhauptstadt zu thematisieren und die Ursache der Verwerfung zu politisieren. Die Veranstaltung war Teil einer bundesweiten Veranstaltungsreihe der BUKO + der RosaLuX Stiftung: Unternehmen STADT übernehmen

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buko.info

*ein blog*
Aktuell ist das ein blog http://landforfree.blogsport.de/, der die Idee aufgreift und weiterentwickelt LAND FOR FREE :: LAND FOR WHAT? (redaktion: Inura Ruhr, tb). Er konzentriert sich auf städtische soziale Bewegungen im Ruhrpott, die ihr Recht auf Stadt fordern. Die Beiträge dokumentieren so verschiedene Beispiele städtischer Konflikte aus dem Rhein-Ruhr-Raum, liefern aber vor allem ein verbindendes Argument in lokal-politischen Auseinandersetzungen: Raum ist da + nutzbar.

*eine idee*
In erster Linie ist *Land for Free* eine Idee. Eine Idee der Raumnutzung und -aneignung, die anders ist. Eigentlich ist sie gar nicht so anders, aber eben nicht die herrschende Idee. *Land for Free* – verstanden als freier Raum – zeigt die Absurdität der Ware Raum und der Eigentumslogik auf. Was an Ort und Stelle passiert – oder eben nicht! – wird zur Nebensache. Anstatt Raum zu gebrauchen, wird er ständig getauscht und auf dem Immobilienmarkt meistbietend angeboten. Das ist grober Unfug und geht an der Realität der Menschen – nicht nur im Ruhrpott – grandios vorbei. Vor diesem Hintergrund geht es 2010 darum, sich die Inhalte anzueignen und mit Leben zu füllen: Theorie + Praxis.

mustermensch radiointerview about land for free – for what?
mustermensch radiointerview teil 2