Archiv für Juli 2010

just another manifest: Recht auf Stadt

Nach der um sich greifenden Manifest-Hausse und erstem Aktivismus in Essen folgt hier nun just another manifest „Zeche Prellen – Recht auf Stadt“ (Inura Ruhr 2010) zur freien Aneignung, download und unterzeichnung (email to: ruhrpott (ät) riseup.net). Der Text hat den grandiosen Leerstand im Ruhrgebiet zum Ausgangspunkt, die Neunte Stadt (Davy et al. 2004) und urbane Experimente wie Land for Free (Sieverts et al. 2006) – und geht der Frage nach: „Was passiert, wenn nichts passiert“?

Selbst wenn der Kulturhauptstadthype polarisiert, kaschiert und selektiert, wollen „[wir] uns keinesfalls von der kreativen Aufbruchstimmung im Ruhrpott verabschieden, aber ‚verweigern uns dieser Logik‘ (Mustermensch Duisburg), der ‚Geschäftsidee‘ (AG Kritische Kulturhauptstadt), ‚haben es satt‘ (ZAKK Düsseldorf), ‚bewegen uns gegen das Totsparen‘ (Schauspielhaus Wuppertal) und ‚machen den Scheiss nicht mehr mit‘ (LAG Soziokultur NRW). Wir spielen nicht mehr mit in einem Spiel, nach dessen Spielregeln wir nicht spielen und auch nicht leben können“ (…).

„Wir, die Auszubildenden und Studierenden, Kunst- und Kulturschaffenden, Musiker/innen, Politaktivist/innen, kreativen Selbstausbeuter/innen, die Wohlstandskinder von gestern, prekären Überlebenskünstler/innen von heute und futuristische Avantgarde von morgen sind nicht nur Bestandteil der vielbeschworenen Kreativität, wir sind der Keim, der Motor, der Anfang von Bewegung in der Stadt! In einer Zeit, wo sich der Staat verselbständigt, entdemokratisiert und die Wohlfahrt erneut der Kirche überlässt, fordern wir unser Recht auf Mitbestimmung, unser Recht auf Stadt! Dieses Recht fordern wir nicht vom Staat, sondern von einer kritischen, demokratischen Öffentlichkeit“!

Kunstbesetzung in Essen

In Essen ist am Sonntag Bewegung in das Stillleben Kulturhauptstadt gekommen und wurde das 3jahre leerstehende DGB Haus mitten im Zentrum von Essen besetzt. Die Besetzer/innen, die sich Freiraum2010 nennen, kamen durch die Vordertür, die ironischerweise offen stand und machen ab sofort und täglich ab 18h Kunst- & Kulturveranstaltungen (Schützenbahn 11, 45127 Essen): „Die Ausstellung ist aufgebaut, die Musiker sind da und wir hoffen aufs Beste“.

Es ist ein Schelm, wer jetzt an das Gängeviertel in Hamburg denkt und diese beiden Ansätze zu vergleichen sucht, denn stadtpolitische Kritik findet hier maximal im Nebensatz statt. In Essen wird gefragt, gebeten und gehofft. Ein Selbstbewusstsein, die Stadtentwicklung tatsächlich in den eigenen Händen zu wissen, selbst zu gestalten, Zentralität einzufordern, sich nicht zu entschuldigen und Räume notwendigerweise anzueigenen, ist nur für Berufsoptimisten erkennbar. Die Ruhrbarone springen in diese Bresche. So hat Stefan Laurin einen offenen Brief an die Leitung der Ruhr.2010 geschrieben, (mehr…)

Zeche Prellen :: Recht auf Stadt

Am Mittwoch, den 14.07.2010 war es soweit und ein erster Schritt in Richtung Recht auf Stadt im Ruhrpott wurde gemacht. Circa 100 Besucher/innen diskutierten sehr lebhaft, wie Hamburg in die Gänge kam und wie eine Recht auf Stadt Bewegung in Dortmund aussehen kann. Mit der Veröffentlichung des Textes „Zeche Prellen – Recht auf Stadt“ + Poster steht dem Beginn einer fruchtbaren Debatte nichts mehr im Weg und darf der Text gerne unterschrieben werden download pdf

Das Recht auf Stadt, das weltweit bereits in Rio de Janeiro, Miami, Johannesburg und Hamburg u.v.m. seit längerer Zeit ein Thema ist und viele Anhänger/innen hat, hat jetzt auch Dortmund erreicht. Entwicklungen wie die Vertreibung indigener Gruppen aus dem Regenwald, Landbesetzungen in Südamerika oder eben die fortgeschrittenen gentrification prozesse in Hamburg sind im Ruhrgebiet zwar nicht das Thema, dennoch sind Gemeinsamkeiten in der Produktion von (Stadt)Raum feststellbar (mehr…)

KOMM IN DIE GÄNGE // 14.07 // Dortmund

Schritt für schritt kommt der Ruhrpott in die Gänge und ist die Hamburger Gängeviertel initiative am 14.07.2010 // 19.oo im Künstlerhaus Dortmund zu Gast. Unter dem Motto »KOMM IN DIE GÄNGE« besetzten 2009 Künstler/innen in Hamburg einen leerstehenden Gebäudekomplex. Sie machten damit nicht nur auf ihre prekäre Arbeits- und Raumsituation aufmerksam, sondern mischten sich auch handgreiflich in die Auseinandersetzung um die Gestaltung und Vermarktung der Stadt ein. »KOMM IN DIE GÄNGE« ist Teil einer städtischen Bewegung in Hamburg und markiert einen Ankerpunkt in den Kämpfen gegen ökonomische Aufwertung bei gleichzeitiger Verdrängung (gentrification) sowie für ein Recht auf Stadt.

Unter dem Titel „Zeche prellen – Recht auf Stadt“ möchte die Veranstaltung eine Verbindung zur Situation im Ruhrgebiet und zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 herstellen. Auch wenn astronomische Mietpreise und Verdrängungsprozesse im Ruhrgebiet bisher keine große Rolle spielen, ist ausreichend großer und bezahlbarer Raum für selbstorganisierte Kultur prekärer Über/lebenskünstler/innen begrenzt. Das die Städte Eigeninitiativen eher ordnungspolitisch – statt fördernd – begegnen, erscheint umso zynischer, denn Raum ist da: LAND FOR FREE. Vor diesem Hintergrund scheint es lohnenswert, den Diskurs für ein Recht auf Stadt im Ruhrpott anzustossen und über die Optionen künstlerischer Interventionen zu diskutieren: LAND FOR WHAT?

Von Baustellen & Nebenkriegsschauplätzen

An diesem blog wird derzeit noch gebaut, gebastelt und erobert. Spätestens nächste woche sollte es soweit sein und wir starten im neuen Design. Für Neugierige empfiehlt sich vorab ein blick ins Programm.


(foto: bauwagenplatz düsseldorf kiefernstrasse 6/ 2010)

Viele Grüße an das AZ Köln und Düsseldorf!