Archiv für August 2010

Was passiert, wenn was passiert?

Findet Kreativität Stadt? hiess es noch vor Wochen auf diesem blog und steht es schon länger auf der Seite der Wirtschaftsförderung Dortmund. Seit dem Wochenende (13.08) und der ungefragten Neunutzung der alten Kronenbrauerei durch eine urbane Intervention der Initiative für ein Unabhängiges Zentrum in Dortmund // UZDO dürfte klar sein, dass dem nicht so ist bzw. die Auswahl sehr viel selektiver verläuft und sich kreative Menschen in Dortmund schnell kriminalisiert anstatt respektiert wiederfinden.


flickr.com/photos/uzdortmund

Laut Pressemitteilung (13.08) folgt die Initiative dem Motto der Kulturhauptstadt „Wandel durch Kultur“ zu organisieren und fordert ihr Recht auf Stadt: „Wir fordern nicht zu viel, wenn wir einen offenen Diskurs anstoßen, der die Zukunft der Stadtentwicklung zum Thema hat und die Frage ‚für wen?’ stellt … Raum ist genug da. Wir auch“, so heisst es auf dem UZDO blog. Ferner ist die Initiative über ihre Kriminalisierung und das eigenmächtige Handeln der Polizei überrascht, denn einen Räumungstitel gab es nicht schriftlich, sondern wurde lediglich telefonisch der Vorbehalt eines solchen Dokuments durch den Eigentümer angekündigt und sofort durch die Polizei vollstreckt.

Der Polizeisprecher machte im WDR Fernsehen deutlich, wessen Recht hier geltend gemacht wird. Das Recht auf Stadt für die Bewohner/inn/en dieser Stadt war es nicht. Passend zur nun entfachten Debatte um Leer- und Stillstand in der (brachliegenden) Stadtentwicklung im Ruhrpott, schreibt die Initiative UZDO in einer zweiten Pressemitteilung (16.08): „Das Haus stand mehr als 8 Jahre leer, war nicht gesichert und die Tür stand sperrangelweit offen. Es ist töricht, diese Situation mit dem Hausfriedensbruch von bewohnten Häusern und Mittelklassehaushalten gleich zu setzen“ (mehr…)

Dortmund & Duisburg in Bewegung

Die Einladung der Kulturhauptstadt, Wandel durch Kultur herbeizuführen, ist auf der grassroots-ebene angekommen und mobilisieren städtische Bewegungen in Dortmund und Duisburg für ihre Repräsentation im Raum. Vor allem in Dortmund bewegt die Initiative für ein Unabhängiges Zentrum // UZDO seit 1 Woche die Öffentlichkeit und demonstriert ihr Recht auf Stadt. Ein ausführlicher Bericht folgt in Kürze. Für den Moment siehe: uzdortmund.blogsport.de/medien/


http://www.2010lab.tv/video/reclaim-brachland-party

In Duisburg heisst das ganze „Reclaim The Brachland“ und lädt die Initiative zur Brachlandparty: „Wir feiern unter freien Himmel, denn die Kommerz-Schickimicki-Dissen sind uns zuwieder. Wir wollen keine ewig-gleiche Chartmusik-Verblödung – sondern einen Ort und Platz, uns selbst zu Verwalten und unsere eigene Kultur zu leben“. Brachlandparty // Samstag, 21.08.2010 // 20:00 // Duisburg Marxloh.

In Dortmund gipfelt die Aktionswoche heute & morgen in einer open air veranstaltung auf den Kapellenwiesen (nahe HBF). Ab 16.oo geht es los und heisst es: „Neue / kreative Ideen und Eigeninitiative bleiben willkommen! Macht mit, die Stadt sind wir alle und wir lassen uns nicht länger ignorieren: Recht auf Stadt“!

recht auf stadt in NRW jetzt online

Das Recht auf Stadt hat Rhein und Ruhr erreicht und hat die Initiative von i furiosi des Antifa KOK Düsseldorf folgende website online gestellt.

Was ist Recht auf Stadt ?

rechtaufstadt.org

„Die neoliberale Stadt ist gescheitert. Immer mehr BewohnerInnen wehren sich gegen wuchernde Mieten, Investorenarchitektur, Standortmarketing und urbane Segregation. Sie haben begonnen, für das ‚Recht auf Stadt‘ zu kämpfen – für eine Stadt, die allen gehört, in der die BewohnerInnen selbstbestimmt die Planung übernehmen“.

von dortmunder bewegungen & co

Und es bewegt sich doch. Während in Essen noch verhandelt wird, ist man in Dortmund über die Frage „was passiert, wenn nichts passiert“ hinaus und wendet sie progressiv. Was passiert, wenn was passiert? heisst es auf dem blog der initiative für ein UZDO. Hiermit folgt die initiative der Einladung der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 „Wandel durch Kultur“ zu organisieren und verknüpfen es mit ihrem Recht auf Stadt. Während hier noch mit einer direkten Aktion und einer Aktionswoche ab dem 13. August 2010 kokettiert wird, hat der akfreiraum bereits Samstag eine Kundgebung vor dem leerstehenden Ostwallmuseum mit bis zu 100 Teilnehmer/innen durchgeführt.


addicted to machines in concert // ostwall dortmund

Neben diversen Redebeiträgen und einem Aufruf zur Blockade des durch Neonazis verklärten Antikriegstags in Dortmund am 4. September waren 4 bands im Programm, die durch die Auflagen der Polizei aber nur bedingt spielen konnten. Zugegeben, trägt der akfreiraum eher sowas wie Maximalforderungen in die Öffentlichkeit, nur ging es den Veranstalter/innen letztlich um Leerstand (oder freien Raum) in Dortmund. Dass das Recht auf Stadt so umstritten, Leer- und Stillstand ein zu schützendes Gut und die musikalische Politisierung eines leerstehenden Museums eine halbe Hundertschaft beschäftigt, ist einmal mehr ein Schlag ins Gesicht für den Imagewandel dieser Kulturhauptstadt.

derwesten.de/staedte/dortmund